Impressionen vom Stadtteilfest 2025 in Reininghaus.
Verein Stadtteil Reininghaus, Foto: Maria Schneider
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 Graz, 19. Mai 2026 – Im Jänner 2026 wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Forschungsgruppe Reininghaus: Wie leben und erleben wir unsere Sprache(n) im Stadtteil?“ präsentiert. Dabei handelt es sich um ein Projekt des Sprachennetzwerks Graz unter der Gesamtkoordination des Vereins Europäisches Fremdsprachenzentrum Österreich. Für die wissenschaftliche Konzeption, Durchführung und Auswertung zeichnete die Politikwissenschafterin Petra Wlasak, PhD, verantwortlich. Nun werden zentrale Aussagen aus der Studie direkt im Stadtteil sichtbar: In Reininghaus startet eine Plakatserie als mobile Ausstellung, die ab 29. Mai 2026 zu sehen sein wird. An diesem Tag findet im Beisein von Stadtrat Robert Krotzer und Stadträtin Claudia Unger die offizielle Eröffnung statt. Finanziert wurde die Plakatserie vom Verein Stadtteil Graz Reininghaus.

Die Studie untersucht erstmals systematisch, wie Bewohner:innen eines neu entstehenden Stadtteils sprachliche Vielfalt im Alltag erleben. Ziel war es, Herausforderungen und Chancen von Mehrsprachigkeit in dem sich entwickelnden Stadtteil Reininghaus zu beleuchten und neue Erkenntnisse über den Umgang mit Sprachenvielfalt zu gewinnen. 

Reininghaus entwickelt sich seit einigen Jahren zu einem neuen urbanen Stadtteil im Westen von Graz, in dem heute bereits rund 5.000 Menschen leben und arbeiten. Die Bewohner:innen bringen unterschiedliche sprachliche Ressourcen mit, von regionalen Dialekten bis hin zu mehreren Erstsprachen. Diese Vielfalt wird im Alltag meist pragmatisch gelebt und ist Teil eines zunehmend internationalen Stadtteils. 

Citizen Science Projekt

Die Studie wurde als Citizen Science Projekt durchgeführt, eine Methode, die auch für das Sprachennetzwerk Graz „Neuland“ war und „das Projekt besonders spannend“ machte, wie es im Abschlussbericht heißt. Citizen Science bezeichnet die Beteiligung von Bürger:innen in den Forschungsprozess unter Einhaltung von wissenschaftlichen Qualitätsstandards. Alle interessierten Personen mit privatem oder beruflichem Bezug zum Stadtteil konnten sich melden und als sogenannte Citizen Scientists mitwirken. Dieser breite Zugang wurde bewusst gewählt, um möglichst viele unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Bedürfnisse einzubinden und abzubilden. Nach einer Einschulung führten die Citizen Scientists Interviews mit Menschen vor Ort und erhoben Daten, die anschließend wissenschaftlich ausgewertet wurden. Ergänzend dazu fand ein dreiteiliger Workshop statt. Untersucht wurde, wie Menschen mit unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen im Alltag miteinander kommunizieren und welche Rolle Mehrsprachigkeit für das soziale Miteinander spielt.

Die Ergebnisse

Die Studie zeigt, dass soziale Mehrsprachigkeit im Stadtteil Reininghaus gelebte Realität ist. Der alltägliche Umgang damit erfolgt überwiegend pragmatisch. Herausforderungen im Alltag, etwa bei Themen wie Mülltrennung oder Nachbarschaftsorganisation, stehen laut den Ergebnissen der Studie nicht im Zusammenhang mit Sprache, sondern mit allgemeinen Regeln des Zusammenlebens. 

Die Workshops verdeutlichten, dass eine bewusste Reflexion über individuelle und soziale Mehrsprachigkeit im Kontext der Migrationsgesellschaft aufzeigt, wie eng sprachliche Vielfalt mit Privilegien sowie Inklusions- und Exklusionsmechanismen verknüpft ist. Das Kennenlernen unterschiedlicher Migrationserfahrungen und der gemeinsame Dialog fördern zudem ein tieferes Verständnis für vielfältige Lebensrealitäten. Dadurch entstehen Raum für kulturellen Austausch, neue Perspektiven und gegenseitiges Lernen.

Die Studie zeigt auch, wie wertvoll die Beteiligung der Bevölkerung für Forschungsprozesse sein kann. Durch die Citizen-Science-Methode konnten Begegnungen sowie der Wissens- und Erfahrungsaustausch über das Workshop-Setting hinaus in den Stadtteil getragen werden. Die Citizen Scientists berichteten, dass sie die daraus entstandenen Gespräche als besonders bereichernd empfanden. Die Rekrutierung der Interviewpartner:innen über persönliche Netzwerke und öffentliche Orte durch die Citizen Scientists erwies sich als erfolgreich. Die Anzahl der ausgefüllten Fragebögen übertraf die Erwartungen. Petra Wlasak, Studienautorin meint hierzu: „Unser Projekt zeigt, dass Forschung mit aktiver Beteiligung der Bevölkerung nicht nur wertvolle Daten liefert, sondern auch soziale Interaktionen stärkt und ein gutes Miteinander fördern kann.“ 

Plakatkampagne macht Vielfalt sichtbar

Zum Start der Plakatserie stellt Petra Wlasak am 29. Mai 2026 die Ergebnisse in der Tennenmälzerei den Bewohner:innen und einem interessierten Fachpublikum vor; die Plakatserie wird als mobile Ausstellung präsentiert. Es folgt ein offener Austausch. „Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung neuer urbaner Stadtteile: Sprachliche Vielfalt sollte von Beginn an als gesellschaftliche Ressource mitgedacht werden, in der Stadtteilentwicklung ebenso wie bei Bildungsangeboten oder in der Nachbarschaftsarbeit“, so Ing. Bettina Thaller, Vorstand Verein Stadtteil Graz Reininghaus und ÖWG Wohnbau, die im Namen des Vereins die Ausstellung eröffnet.

Die Ergebnisse der Studie werden nun auch im öffentlichen Raum sichtbar: Eine Plakatkampagne im Stadtteil Reininghaus greift zentrale Aussagen der Bewohner:innen auf und macht die sprachliche Vielfalt des Viertels sichtbar. Ziel ist es, Bewusstsein für Mehrsprachigkeit zu schaffen und den Dialog zwischen den Menschen im Stadtteil weiter zu fördern. Kurze Botschaften und Zitate wollen zeigen, wie selbstverständlich Mehrsprachigkeit im Alltag vieler Menschen ist und welchen Beitrag sie für ein lebendiges Miteinander leisten kann. „Unterschiedliche Sprachen eröffnen neue Möglichkeiten für Austausch, gegenseitiges Lernen und kulturelles Verständnis“, so Alexander Daum, Vorstand Verein Stadtteil Graz Reininghaus und ENW.

„Die Studie zeigt beispielhaft, wie neue Stadtteile von Beginn an als Orte der Begegnung gestaltet werden können, an denen unterschiedliche Sprachen und Kulturen zum Alltag gehören. Gemeinsame Reflexion über sprachliche Erfahrungen kann das Verständnis zwischen Bewohner:innen fördern und zu einem inklusiveren Zusammenleben beitragen“, ergänzt DI Birgit Leinich, Vorstand Verein Stadtteil Graz Reininghaus und ÖSW.

Die Forschungsergebnisse im Detail finden Sie hier: https://sprachennetzwerkgraz.at/Initiativen/Forschungsprojekt-Reininghaus

Bildtext: Plakatserie der Forschungsgruppe Reininghaus: Wie leben und erleben wir unsere Sprache(n) im Stadtteil?

Fotocredit: © Verein Stadtteil Reininghaus, Gestaltung: look! design

Fototext Workshop Mehrsprachigkeit 1 (v.l.n.r.): Petra Wlasak (wissenschaftliche Leitung der Forschungsgruppe RH), Elisabeth Schlocker (GF EFSZ), Edna Ebner ( Migrant:innenbeirat, Vorsitzende-Stv.), Christina Simmerer (Stadtteilmanagement Reininghaus), Banu Yildiz (Integrationsreferat Stadt Graz) und Elfie Nebel (Beirat für Bürger:innenbeteiligung). 

Workshop Mehrsprachigkeit 2: Impressionen aus den Workshops der Forschungsgruppe Reininghaus: Wie leben und erleben wir unsere Sprache(n) im Stadtteil?

Fotocredit: © Petra Wlasak

Bildtext: Impressionen vom Stadtteilfest 2025 in Reininghaus.

Fotocredit: © Verein Stadtteil Reininghaus, Foto: Maria Schneider

 

Über den Verein Stadtteil Graz Reininghaus

Der gemeinnützige Verein Stadtteil Graz Reininghaus wurde im Juni 2023 aus dem Zusammenschluss von 17 Bauträger:innen gegründet, die gemeinsam mit der Stadt Graz die Vision eines neuen Stadtteils in Reininghaus verwirklichen, mit dem Ziel, gemeinsam mit verschiedenen Akteur:innen vor Ort den Stadtteil aktiv zu gestalten und so einen lebendigen, nutzungsdurchmischten und mitgestalteten Stadtteil zu schaffen. Der Verein befasst sich unter anderem mit Themen wie der Vision Reininghaus, der Belebung der Sockelzonen, Mobilitätsmanagement, Baulogistik, Gemeinschaftseinrichtungen, Marketing und ermöglicht Kulturveranstaltungen. Das notwendige Budget wird anteilig von den beteiligten Unternehmen getragen. Neben den Bauträger:innen zählen mittlerweile Unternehmen, soziale Einrichtungen sowie Institutionen aus dem Kunst- und Kulturbereich zu den Mitgliedern.

Mehr unter: https://reininghausgründe.at/verein/


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Plakatserie der Forschungsgruppe Reininghaus: Wie leben und erleben wir unsere Sprache(n) im Stadtteil?
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Pressetext Plakatserie Mehrsprachigkeit
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Workshop Mehrsprachigkeit 1
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Workshop Mehrsprachigkeit 2: Impressionen aus den Workshops der Forschungsgruppe Reininghaus: Wie leben und erleben wir unsere Sprache(n) im Stadtteil?
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Impressionen vom Stadtteilfest 2025 in Reininghaus.
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