eXplore! zu Gast im Club 20: Wie die ökologische Transformation zum Wohlstandstreiber wird
Wien, am 24. März 2026 - Wie wirksamer Klimaschutz in Österreich gelingen kann - und warum er trotz hoher Zustimmung oft hinter den eigenen Ambitionen zurückbleibt - stand im Zentrum der jüngsten Club 20-Veranstaltung im Hotel InterContinental. Gemeinsam mit eXplore! diskutierten Expert:innen aus Wissenschaft, Klimaforschung und Unternehmertum über die zentrale Frage, warum trotz klarer Klimaziele zu wenig passiert.
Ambitioniert auf dem Papier – schwach in der Umsetzung
Gleich zu Beginn wurde ein ernüchterndes Bild gezeichnet. Jesús Crespo Cuaresma, Professor für Volkswirtschaftslehre an der WU Wien, verwies auf aktuelle Analysen zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen und zog eine klare Bilanz: „Auf dem Papier ist die Klimapolitik in Österreich sehr ambitioniert. De facto ist sie aber erfolglos.“ Tatsächlich lässt sich nur ein vergleichsweise kleiner Teil der bisherigen Emissionsreduktionen direkt auf politische Maßnahmen zurückführen. Die Kluft zwischen Anspruch und Umsetzung wurde damit zum zentralen Thema des Abends.
Warum gute Vorsätze nicht ausreichen
Warum diese Lücke besteht, erklärte Umweltpsychologin Hermine Mitter, Professorin am Institut für Umweltsystemwissenschaften an der Universität Graz, aus verhaltenswissenschaftlicher Perspektive. Klimaschutz ist zwar gesellschaftlich breit akzeptiert, scheitert jedoch oft an tief verankerten psychologischen Mustern. „Es gibt eine Lücke zwischen dem, was man sich vornimmt, und dem, was man tatsächlich tut“, so Mitter. Diese Diskrepanz wird zusätzlich verstärkt, weil Klimafolgen häufig als fern wahrgenommen werden und viele Menschen ihr eigenes Verhalten an dem anderer orientieren.
Vom individuellen Verhalten zu strukturellen Lösungen
Auch die Frage nach der Verantwortung wurde intensiv diskutiert. Tina Deutsch, Vorständin am KONTEXT Institut für Klimafragen, plädierte dafür, den Fokus weg von individueller Schuldzuweisung hin zu strukturellen Lösungen zu lenken. „Wir schützen kein Klima, wir schützen uns. Es geht um Menschenschutz und nicht um etwas Abstraktes“, betonte sie. Entscheidend ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die nachhaltiges Handeln erleichtern.
Klimaschutz als wirtschaftliche Logik
Wie sich diese Perspektive in der Praxis umsetzen lässt, zeigte Unternehmer Michael Kowatschew, Mitgründer von Heizma. Sein Ansatz zeigt, wie sich nachhaltige Lösungen auch wirtschaftlich rechnen können. „Ich will dafür sorgen, dass die klimafreundlichste Lösung auch die finanziell sinnvollste ist“, erklärte er. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wird deutlich, dass nachhaltige Lösungen dann besonders erfolgreich sind, wenn sie auch ökonomisch überzeugen.
Neue Narrative gefragt
Die Diskussion machte insgesamt deutlich, dass Klimaschutz in Österreich weniger an fehlender Zustimmung scheitert als an strukturellen, psychologischen und kommunikativen Hürden. Um die bestehende Lücke zwischen ambitionierten Zielen und tatsächlicher Umsetzung zu schließen, braucht es vor allem klare Rahmenbedingungen, langfristige Planungssicherheit und neue Narrative, die Klimaschutz als Chance begreifen.
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Bildtext: v.l.n.r.: Christoph Schwarz (Kurier), Daniela Enzi (Wertinvest), Hermine Mitter (Uni Graz), Tina Deutsch (KONTEXT Institut), Michael Kowatschew (Heizma) & Jesús Crespo Cuaresma (WU Wien)
Bildquelle: Rizar.photo