EcoAustria

Wien, am 29. April 2026 – Für die Jahre 2025 und 2026 wurde zur Budgetkonsolidierung ein Sonderbeitrag zur Bankenabgabe in Höhe von jährlich 300 Mio. Euro beschlossen. Aktuell ist im Doppelbudget 2027/2028 eine Fortführung vorgesehen. Eine neue Studie von EcoAustria im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) analysiert die wirtschaftlichen Folgen einer dauerhaften Fortführung. Die Studie basiert auf einer Auswertung der empirischen Literatur zu Bankenabgaben in Europa sowie auf einer Simulation mit dem makroökonomischen Modell PuMA.

Die zentrale empirisch gestützte Annahme ist, dass die Abgabe vollständig auf Kreditnehmer:innen überwälzt wird, was zu steigenden Finanzierungskosten führt. Empirische Studien zu Bankenabgaben in Europa und insbesondere zu Deutschland belegen, dass die höheren Kosten durch die Abgabe häufig an Kreditnehmer:innen weitergegeben werden. Dies schlägt sich in höheren Kreditzinsen und einer geringeren Kreditnachfrage nieder.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Bankenabgabe über steigende Kreditzinsen direkt auf Unternehmen und Haushalte wirkt. Dadurch werden Investitionen gebremst und das Wachstum gedämpft, während der fiskalische Nettoeffekt deutlich unter den erwarteten Einnahmen bleibt“, sagt Ludwig Strohner, Studienautor bei EcoAustria.

Die Simulationsergebnisse auf Basis des makroökonomischen Modells PuMA ergeben deutliche realwirtschaftliche Effekte: Bereits in den Jahren 2027 und 2028 sinken die Unternehmensinvestitionen um mehr als 700 Mio. Euro. Mittel- bis langfristig liegen die Investitionen um rund 300 Mio. Euro niedriger als in einem Szenario ohne die Sonderabgabe. In der Folge gehen Beschäftigung und Einkommen zurück. Mittel- bis langfristig gehen zwischen 800 und 1.400 Arbeitsplätze verloren, während die Arbeitslosigkeit steigt. Gleichzeitig sinken die realen Einkommen und der private Konsum wird gedämpft.

Auch die gesamtwirtschaftliche Leistung wird beeinträchtigt: Das reale BIP fällt langfristig um mehr als 400 Mio. Euro niedriger aus als ohne dauerhaften Sonderbeitrag zur Bankenabgabe. Eine dauerhaft höhere Bankenabgabe ist mit höheren Kreditzinsen und negativen Auswirkungen auf Investitionen, Beschäftigung und Wachstum verbunden, sodass das Nettoaufkommen aus der Abgabe deutlich unter 300 Mio. Euro beträgt. Mittel- und längerfristig nimmt das fiskalische Aufkommen aus der Abgabe weiter ab.

Die Analyse macht damit einen klaren wirtschaftspolitischen Zielkonflikt sichtbar: Während die Bankenabgabe kurzfristig zur Budgetkonsolidierung beiträgt, reduzieren ihre negativen gesamtwirtschaftlichen Effekte mittelfristig die Einnahmen.

Die Studie versteht sich als evidenzbasierter Beitrag zur wirtschaftspolitischen Diskussion über die Ausgestaltung von Konsolidierungsmaßnahmen und deren gesamtwirtschaftliche Auswirkungen.