Österreich muss unternehmerischer werden und Chancen vor Sicherheit stellen
Wien, am 6. Oktober 2026 – Österreich fehlt es nicht an unternehmerischem Talent, sondern an der Ausschöpfung dieses Potenzials. Ohne unternehmerische Eltern können sich 27 Prozent eine Gründung vorstellen, mit zumindest einem unternehmerischen Elternteil 47 Prozent. Bei der konkreten Absicht stehen sieben gegen 18 Prozent. Das zeigt eine Studie von Peter Hajek Public Opinion Strategies im Auftrag der Stiftung Unternehmerische Zukunft, für die 1.500 Menschen in Österreich befragt wurden.
Der deutlichste Zusammenhang in den Daten liegt nicht bei Alter, Bildung oder Einkommen, sondern in der Familie. Insgesamt haben nur 20 Prozent der Befragten zumindest einen selbstständigen oder unternehmerischen Elternteil. Unter den Gründungsbereiten sind es 30 Prozent. Wer Unternehmer:innen kennt, kann sich eine Gründung öfter vorstellen (38 statt 24 Prozent) und würde eine nahestehende Person doppelt so oft aktiv bestärken (35 statt 17 Prozent). Auf die konkrete Absicht schlägt der persönliche Kontakt dagegen nicht durch. Dieser öffnet zwar das Interesse, das Elternhaus bewegt jedoch zur Umsetzung.
„Drei von zehn Menschen in Österreich können sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Das ist mehr unternehmerisches Potenzial, als die Gründungszahlen vermuten lassen. Und es wächst mit jedem unternehmerischen Vorbild, das Menschen aus der Nähe erleben. Genau dieses Potenzial besser auszuschöpfen, ist die Aufgabe unserer Stiftung“, sagt Markus Raunig, Vorstand der Stiftung Unternehmerische Zukunft.
Ein Land, das Sicherheit priorisiert
Spontan nennen die Befragten das wirtschaftliche Risiko (23 Prozent) und fehlendes Kapital (17 Prozent), erst danach Bürokratie und schwierige Rahmenbedingungen (je zehn Prozent) sowie die Steuer- und Abgabenbelastung (acht Prozent). Den meisten Menschen in Österreich ist Sicherheit wichtiger als Chancen. Fast acht von zehn Befragten (78 Prozent) denken so.
69 Prozent sehen Österreich auf dem Weg in die falsche Richtung. Die wirtschaftliche Lage bewerten die Befragten im Mittel mit 4,0 auf einer sechsteiligen Skala. Wer so auf das Land blickt, erwartet von der Politik Lösungen, die bisher ausbleiben. Reformen, die sich erst in Jahren budgetär und konjunkturell auszahlen, haben es in diesem Klima schwer. Die Stiftung Unternehmerische Zukunft setzt deshalb auf Eigeninitiative in den Bereichen Bildung, Vorbilder und Sichtbarkeit.
Aus volkswirtschaftlicher Sicht zählt nicht primär die Zahl der Gründungen, sondern ihre Qualität, zeigt eine Einordnung von EcoAustria. In den USA gehen rund 20 Prozent der neu geschaffenen Arbeitsplätze auf Neugründungen zurück, rund 50 Prozent auf wachstumsstarke und meist junge Unternehmen. Entscheidend ist, dass Kapital und Fachkräfte zu den innovativeren Firmen wandern können.
„Wachstum entsteht nicht durch mehr Gründungen an sich, sondern durch die richtigen. Junge, wachstumsstarke Unternehmen tragen international weit überproportional zur Jobschaffung bei, und die Produktivität steigt vor allem dann, wenn Kapital und Fachkräfte zu den innovativsten Firmen wandern können. Wer bestehende Strukturen schützt, bremst diese Dynamik. Das wirkt sich in einem strukturell niedrigen Wachstumsumfeld wie dem österreichischen besonders stark aus“, sagt Prof. Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria und Vorstandsmitglied der Stiftung.
Acht von zehn wollen Gründen in der Schule
80 Prozent der Österreicher:innen stimmen zu, dass junge Menschen in der Schule stärker lernen sollen, wie man ein Unternehmen gründet oder führt. 29 Prozent davon ohne jede Einschränkung. Die Realität sieht anders aus. Nur 17 Prozent sagen, in der Schule genug über Wirtschaft gelernt zu haben. Lediglich 15 Prozent haben dort erfahren, was Unternehmer:innen leisten. Wie wenig präsent das Thema ist, zeigt eine offen gestellte Frage: 49 Prozent fällt spontan namentlich keine einzige Unternehmerin und kein einziger Unternehmer ein.
„Das Ermutigende an diesen Daten ist, dass sich das ändern lässt. Wer Unternehmertum einmal aus der Nähe erlebt, traut sich mehr zu. Genau deshalb bringen wir Gründerinnen und Gründer in die Schulen und begleiten Erwachsene auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Österreich muss unternehmerischer werden, denn die Politik kann allein weder Wachstum noch Arbeitsplätze schaffen“, sagt Lisa-Marie Fassl, Investorin, Mitgründerin von Fund F und Vorstandsmitglied der Stiftung.
Wachstum braucht Mut
Beim Scheitern ist die Bevölkerung wohlwollender als das Klischee. 79 Prozent sprechen sich für eine zweite Chance aus. Wer selbst gründen will, denkt trotzdem vor allem klein – 83 Prozent können sich in erster Linie ein Ein-Personen-Unternehmen oder eine freiberufliche Tätigkeit vorstellen.
„Das liegt nicht an fehlendem Talent. Es sind das wirtschaftliche Risiko, das fehlende Startkapital und eine Grundstimmung, die Sicherheit über Chancen stellt“, resümiert Studienautor Peter Hajek.
Über die Studie
Auftraggeberin: Stiftung Unternehmerische Zukunft
Durchführung: Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH
Methode: Online-Befragung
Zielgruppe: Wohnbevölkerung in Österreich von 16 bis 69 Jahren. Stichprobe: 1.500 Befragte. Maximale Schwankungsbreite: +/- 2,5 Prozent
Feldzeit: 22. Mai bis 8. Juni 2026
Die Fragen zur Gründungsbereitschaft beziehen sich auf jene Befragten, die kein Unternehmen mit Mitarbeiter:innen führen. Die ökonomische Einordnung stammt von EcoAustria – Institut für Wirtschaftsforschung.
Über die Stiftung Unternehmerische Zukunft
Die Stiftung Unternehmerische Zukunft wurde 2025 gegründet und wird von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft getragen. Sie versteht Unternehmertum als Haltung und arbeitet an drei Schwerpunkten: Bildung, Aktivierung und Wahrnehmung. 70 Stifter:innen haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Mehr Informationen unter stiftungunternehmertum.at