Rechnen, verhandeln, entscheiden: 2.500 Volksschulkinder wurden am WU-Campus zu Unternehmer:innen
Beim Changemaker Markttag der Wirtschaftsuniversität Wien verkaufen Kinder ihre eigenen Produkte – und lernen dabei, was die Wirtschaftsbildung an Pflichtschulen oft schuldig bleibt.
Wien, am 22. Juni 2026 – An den Ständen wird gefeilscht, gerechnet und verkauft. Volksschulkinder reichen selbstgebastelte Produkte über den Marktstand, führen Verkaufsgespräche und zählen am Ende die Einnahmen. Rund 2.500 Kinder verwandelten den Campus der Wirtschaftsuniversität Wien beim diesjährigen Changemaker Markttag in einen Marktplatz – und wurden für einen Vormittag zu Unternehmer:innen.
Was spielerisch wirkt, hat einen ernsten Hintergrund. Wirtschaftsbildung hat an Österreichs Pflichtschulen im internationalen Vergleich nach wie vor eine niedrige Priorität. Unternehmerisches Denken, der Umgang mit Geld oder grundlegendes Wissen über Inflation, Steuern und Zinsen kommen vor allem in den unteren Schulstufen zu kurz. Das Changemaker-Programm des WU Entrepreneurship Centers setzt genau hier an – früh, praxisnah und dort, wo der Lehrplan eine Lücke lässt.
„Wirtschaftsbildung beginnt nicht erst mit dem ersten Gehalt. Beim Markttag erleben die Kinder unmittelbar, was Unternehmertum bedeutet: eine Idee zu entwickeln, an sie zu glauben, sie Schritt für Schritt umzusetzen – und Verantwortung dafür zu übernehmen. Im besten Fall entsteht daraus nicht nur wirtschaftliches Verständnis, sondern auch ein Bewusstsein dafür, wie unternehmerisches Handeln anderen nützen kann“, betont Dr. Rudolf Dömötör, Direktor des WU Entrepreneurship Centers.
Das WU Entrepreneurship Center bildet dafür Studierende in Entrepreneurship und Pädagogik aus. Diese „Changemaker“ begleiten die Kinder über mehrere Wochen – von der ersten Idee bis zum Verkauf. In den Schulworkshops davor beantworten die Klassen drei Fragen, mit denen sich auch erwachsene Gründer beschäftigen: Wie finde ich eine gute Idee? Wer sind meine Kunden? Wie wirtschafte ich nachhaltig?
Am Markttag zeigt sich, was die Vorbereitung gebracht hat. Die Kinder teilen Rollen auf, verkaufen, bedienen die Kassa und entscheiden gemeinschaftlich, was mit dem Erlös geschieht. Den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn lernen sie dabei nicht aus dem Schulbuch, sondern am eigenen Stand. Wer gerade nicht verkauft, sitzt in der Kinder-Vorlesung im Audimax – auf denselben Bänken wie sonst die Studierenden.
Der erste Changemaker Markttag fand 2018 statt. Die MEGA Bildungsstiftung zeichnete das Programm 2021 und 2023 als herausragendes Bildungsprojekt aus, das BMBWF würdigte es im November 2024 als „Entrepreneurship Educator of the Year“. Heute reicht das Programm weit über Wien hinaus: Getragen von Partnern wie IFTE, der PH Wien, der KPH Wien/Krems, ERSTE Stiftung und der Bildungsdirektion Wien ist es in allen österreichischen Bundesländern vertreten. Dazu kommen vier Standorte in Deutschland und einer in der Slowakei.
Einen Eindruck vom diesjährigen Markttag findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=Gqoite3xfQ0
Bildtexte:
An Marktständen verkaufen die Kinder ihre selbstgebastelten Produkte. Credit: Inés Bacher
Die Kinder-Vorlesung im Audimax der WU. Credit: Marcella Ruiz Cruz