Leistbares Wohnen im Fokus: Zweiter TALK des gemeinnützigen Wohnbaus
Graz, 28. Jänner 2026 – Der erfolgreiche erste Talk des gemeinnützigen Wohnbaus ging nun in die zweite Runde. Am 26. Jänner 2026 war es soweit: GBV Steiermark (gemeinnützige Wohnbauträger Steiermark) lud Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft zum fachlichen Austausch in die Räumlichkeiten von ÖWG Wohnbau.
Nach der persönlichen Begrüßung durch GBV Steiermark-Obmann Mag. Christian Krainer (ÖWG Wohnbau) standen die aktuellen Herausforderungen rund um leistbares Wohnen, Mietrecht, Förderpolitik und Klimaziele im Mittelpunkt der Veranstaltung. Impulsvorträge gab es von Mag. Christian Zenz (Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Mag. Michael Sebanz, Dr. Bettina Luidolt sowie DI Mag. Simone Skalicki (Land Steiermark) und Ing. Alexander Lackner (ÖWG Wohnbau).
Leistbares Wohnen bleibt eine der drängendsten gesellschaftlichen Zukunftsfragen. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Herausforderungen bot der zweite TALK des gemeinnützigen Wohnbaus eine Plattform für vertiefende Einblicke und Diskussionen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, Förderinstrumenten und langfristigen Strategien im gemeinnützigen Wohnbau.
Wohnrecht und Mietpreisentwicklung
Unter dem Leitsatz „Zukunft braucht Herkunft“ erläuterte Mag. Christian Zenz, wie sich jüngste Änderungen aus bestehenden gesetzlichen Grundlagen ableiten lassen. Wohnen stehe im aktuellen Regierungsprogramm unter den Schlagworten Leistbarkeit und Mietlinderung. Mit dem mietrechtlichen Inflationslinderungsgesetz sowie weiteren Eingriffen – etwa bei der Indexierung über den Verbraucherpreisindex (VPI) – habe der Gesetzgeber gezielt reagiert, um Mieter:innen zu entlasten. Zenz verwies zugleich auf die zunehmende Zersplitterung des Mietrechts und betonte, dass vor allem in diesem Jahr – auch vor dem Hintergrund fehlender großer demokratischer Ereignisse – weitere Anpassungen möglich seien. Ein Appell richtete sich an die Praxis, insbesondere an Jurist:innen, bei der Anwendung der Regelungen mit Augenmaß vorzugehen. Mehrere Fälle, die den Obersten Gerichtshof beschäftigten, zeigten die hohe Relevanz und Komplexität des Themas. Den Abschluss bildete ein historisches Zitat aus der Gründungszeit der ersten gemeinnützigen Baugenossenschaft:
„Die Erfahrung zeigt uns, dass es zur Lösung der Wohnungsfrage eben kein bestes System giebt, daß die Frage vielmehr für die verschiedenen Verhältnisse, in denen sich die arbeitenden Klassen befinden, auch ganz verschieden gelöst werden muss.“ (Die Berliner gemeinnützige Baugesellschaft und die damit verbundene Alexandra-Stiftung, Oberhofbuchdruckerei 1867, Berlin).
Wohnbauförderung: Zahlen und Fakten
Mag. Michael Sebanz (Land Steiermark, Abteilung 15) eröffnete seinen Beitrag ebenso mit einem historischen Zitat – mit jenem von Maria Theresia: „Ein Gesetz, das nicht der letzte Schweinehirte in Galizien versteht, das muss abgeschafft werden.“ Er gab einen umfassenden Überblick über die aktuelle Wohnbauförderung in der Steiermark – vor allem im Hinblick auf den Geschoßbau, der zuletzt wieder deutlich an Fahrt aufgenommen habe. Er gab einen Einblick über die aktuellen Zahlen, die im Jahr 2026 bereits an Förderungen zugesagt sind. Gleichzeitig wies Sebanz darauf hin, dass im vergangenen Jahr einzelne Förderungen aus Budgetgründen ausgesetzt werden mussten. Das Manövrieren innerhalb eines stark belasteten Haushalts bleibe eine große Herausforderung. Sebanz kündigte unter anderem einen Jungfamilienbonus, Neuerungen bei der Eigenheimförderung, der Eigenheimsanierung sowie eine neue thermische Sanierungsförderung an. Alle Maßnahmen stünden unter der Prämisse eines äußerst angespannten öffentlichen Budgets. Mag. Bettina Luidolt, Rechtsleiterin, informierte über die Novellierung der Durchführungsverordnung und stellte begleitende Maßnahmen vor. Ein Update zur thermischen Sanierungsförderung gab DI Mag. Simone Skalicki.
Dekarbonisierung als zentrale Zukunftsaufgabe
Ein zentrales Zukunftsthema stellte auch die Dekarbonisierung des Wohnbaus dar. Ing. Alexander Lackner präsentierte das Mission Statement Dekarbonisierung GBV – 2040 und unterstrich die Schlüsselrolle der gemeinnützigen Wohnbauträger bei der Umsetzung der Klimaziele. Die neu geschaffenen Dekarbonisierungsbeauftragten sollen sicherstellen, dass die Interessen und Möglichkeiten der Gemeinnützigen in diesem Prozess angemessen berücksichtigt werden.
Gemeinsames Bekenntnis zum leistbaren Wohnen
Bei den teilnehmenden Vortragenden herrschte Einigkeit darüber, dass der gemeinnützige Wohnbau auch künftig eine tragende Rolle bei der Bereitstellung von leistbarem, qualitativ hochwertigem und nachhaltigem Wohnraum spielen wird. Obmann Krainer unterstrich die Bedeutung der Zukunftsorientierung und Anpassungsfähigkeit der Gemeinnützigen, insbesondere in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten: „Wir arbeiten für Generationen und sind daher stark zukunftsorientiert. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, dass das System der Gemeinnützigkeit und die Mischung aus Objekt- und Subjektförderung im Wohnbau unverzichtbar ist – nicht umsonst beneidet uns ganz Europa um dieses System. Der gemeinnützige Wohnbau bleibt ein unverzichtbarer Teil der Lösung in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten.“ Und ergänzt: „Die Wohnbau- und Sanierungsförderung ist kein Nice-to-have, sondern die zentrale Voraussetzung dafür, dass leistbares Wohnen überhaupt möglich bleibt. Ohne verlässliche und ausreichend dotierte Förderinstrumente können gemeinnützige Wohnbauträger ihre preisregulierende Funktion am Wohnungsmarkt nicht erfüllen – gerade in Zeiten steigender Baukosten, hoher Zinsen und ambitionierter Klimaziele.“
Der TALK des gemeinnützigen Wohnbaus endete mit einem klaren Bekenntnis aller Beteiligten, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen und den Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft fortzusetzen. Diese Veranstaltung unterstreicht die Bedeutung des gemeinsamen Engagements für leistbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum. Die GBV Steiermark unterstrich damit erneut ihre Rolle als starke Interessenvertretung für leistbares Wohnen und als verlässlicher Partner für eine sozial und ökologisch nachhaltige Wohnbaupolitik.
Foto (v. l. n. r.): Ing. Alexander Lackner, Mag. Christian Zenz, Mag. Michael Sebanz, DI Mag. Simone Skalicki, Mag. Bettina Luidolt, Mag. Christian Krainer und Ing. Wolfram Sacherer.
Fotocredit: GBV Steiermark.
Über GBV Steiermark
Die GBV Landesgruppe Steiermark ist die Interessenvertretung der gemeinnützigen Wohnbauträger und engagiert sich für die Förderung von sozialen Wohnbauprojekten in der Steiermark. Der Verband zählt 25 Mitgliedsunternehmen und verwaltet insgesamt über 143.000 Wohnungen. Der GBV Steiermark ist Mitglied des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen - Revisionsverband. Als sichtbares Zeichen für Sicherheit, Leistbarkeit, soziale Verantwortung und Modernität tragen die Gemeinnützigen das GBV-Gütesiegel. Geprüft durch den Revisionsverband wird damit bestätigt, dass sie alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen.
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