EcoAustria: 2,1 Milliarden Euro Breitbandförderung bringen bis zu 12 Milliarden Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung
Wien, 4. März 2026 – Moderne Breitbandnetze sind eine zentrale Voraussetzung für die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Eine neue Policy Note des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria analysiert die Wirkung öffentlicher Förderprogramme auf den Breitbandausbau in Österreich. Das Ergebnis: Die österreichische Breitbandförderung der Jahre 2015 bis 2024 war volkswirtschaftlich hoch rentabel und lieferte einen fiskalischen Multiplikator von 3,4 bis 5,7. Damit zählt die Breitbandförderung zu den wenigen Infrastrukturprogrammen, bei denen sich ein klarer Wertschöpfungsbeitrag nachweisen lässt.
Gleichzeitig betont das Institut, dass künftige Breitbandpolitik stärker die tatsächliche Nutzung digitaler Dienste in den Mittelpunkt stellen muss.
Die Analyse basiert auf mehrjährigen Forschungsarbeiten sowie der Evaluierung der Förderprogramme BBA2020 und BBA2030. Ein zentraler Befund: Steigt die Breitbandnutzung um 1 Prozent, erhöht sich das BIP um rund 0,02 bis 0,1 Prozent. Mobile Nutzung wirkt kurzfristig stark, Glasfaser entfaltet ihre Effekte langfristig und kumulativ.
Breitbandförderung wirkt und rechnet sich
Die öffentliche Hand investierte zwischen 2015 und 2024 rund 2,1 Milliarden Euro in den Breitbandausbau. Den Förderkosten stehen geschätzte zusätzliche BIP-Effekte in Höhe von rund 7 bis 12 Milliarden Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein fiskalischer Multiplikator zwischen 3,4 und 5,7. „Die Evaluierung weist einen kausal signifikanten Nettofördereffekt nach“, erklärt Wolfgang Schwarzbauer, Forschungsbereich Wettbewerbsfähigkeit bei EcoAustria. „Die Programme haben den Ausbau moderner Breitbandnetze messbar beschleunigt und gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung in einem Mehrfachen der eingesetzten Mittel generiert.“
Der Nettofördereffekt zeigte sich insbesondere im Bereich gigabitfähiger Anschlüsse. Zusätzlich ergaben sich positive räumliche Spillover-Effekte: Investitionen in einer Gemeinde begünstigen häufig weitere Ausbauschritte in benachbarten Regionen.
Nutzung entscheidend für wirtschaftliche Wirkung
Zugleich unterstreicht die Policy Note einen zentralen Befund der internationalen Forschung: Wirtschaftliche Effekte entstehen vor allem durch die tatsächliche Nutzung von Breitbanddiensten und nicht allein durch deren Verfügbarkeit. Produktivitätsgewinne ergeben sich insbesondere dann, wenn Unternehmen in digitale Kompetenzen, Software und organisatorische Anpassungen investieren und neue Anwendungen tatsächlich einsetzen.
„Infrastruktur ist die notwendige Grundlage, aber entscheidend sind Adoption, digitale Kompetenzen und komplementäre Investitionen in Unternehmen“, so Schwarzbauer. Ohne entsprechende Nachfrage und Anwendung bleiben gesamtwirtschaftliche Effekte begrenzt.
Die Analyse zeigt auch, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte besonders von digitaler Infrastruktur profitieren, während Arbeitsmarkteffekte insgesamt heterogen ausfallen. Zudem deuten empirische Befunde darauf hin, dass Länder mit hoher Breitbandnutzung wirtschaftliche Schocks – etwa während der Covid-19-Pandemie – besser abfedern konnten.
EcoAustria leitet daraus drei Handlungsempfehlungen ab:
Angebots- und Nachfrageseite gemeinsam fördern: Neben Infrastrukturinvestitionen sollten verstärkt Maßnahmen zur Steigerung der Breitbandnutzung etabliert werden, etwa Programme zur Stärkung digitaler Kompetenzen und zur Unterstützung der digitalen Transformation von Unternehmen, insbesondere von KMU. Da wirtschaftliche Effekte primär durch Nutzung entstehen, ist eine stärkere Aktivierung bestehender Netze entscheidend.
Technologieneutralität erhöhen: Förderprogramme sollten technologieneutral ausgestaltet werden und neben festnetzgebundenen Lösungen auch mobile Technologien berücksichtigen. Eine flexible Ausrichtung erhöht die Kosteneffizienz und ermöglicht eine raschere Versorgung insbesondere in Regionen mit hohen Erschließungskosten.
Komplementäre Investitionen stärken: Der volle wirtschaftliche Nutzen digitaler Infrastruktur entsteht erst durch begleitende Investitionen in Humankapital, organisatorische Anpassungen und digitale Anwendungen. Breitbandpolitik sollte daher stärker mit Qualifizierungs-, Innovations- und Unternehmenspolitik verzahnt werden.
„Breitband ist eine gesamtwirtschaftliche Schlüsseltechnologie. Die bisherigen Investitionen haben sich klar gerechnet. Künftig muss die Politik jedoch stärker darauf achten, dass Infrastruktur, Nutzung und digitale Fähigkeiten gemeinsam entwickelt werden“, sagt Schwarzbauer abschließend.
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