EcoAustria
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Wien, 27. Mai 2026 – Die laufenden Budgetverhandlungen stellen die österreichische Bundesregierung vor eine doppelte Herausforderung: Einerseits gilt es, die öffentlichen Finanzen nachhaltig zu konsolidieren. Andererseits darf der Wirtschaftsstandort nicht durch Maßnahmen belastet werden, die Investitionen, Innovation und Wachstum bremsen. Ein neues Research Paper des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria zeigt, dass die Ausgestaltung des Steuersystems dabei eine zentrale Rolle spielt – insbesondere im Bereich der Unternehmensbesteuerung.

Die Analyse von Monika Köppl-Turyna und Michael Christl untersucht den Zusammenhang zwischen Steuerwettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum in 23 europäischen und vergleichbaren OECD-Staaten im Zeitraum 2014 bis 2024. Als Maßstab dient der „International Tax Competitiveness Index“ der Tax Foundation, der mehr als 40 steuerpolitische Variablen berücksichtigt – darunter Unternehmenssteuern, Einkommensteuern, Konsumsteuern, vermögensbezogene Steuern sowie grenzüberschreitende Steuerregeln.

Die Ergebnisse zeigen, dass Verbesserungen der steuerlichen Wettbewerbsfähigkeit in einem positiven Zusammenhang mit dem realen Wachstum des BIP pro Kopf stehen. Getrieben wird dieser Effekt jedoch nahezu ausschließlich durch die Unternehmensbesteuerung. Andere Bereiche des Steuersystems – etwa Einkommen-, Konsum- oder vermögensbezogene Steuern – zeigen in der Analyse keinen vergleichbar robusten Wachstumseffekt.

Entscheidend ist dabei nicht allein der Körperschaftsteuersatz. Wachstumsrelevant sind vielmehr auch Abschreibungsregeln, Verlustverrechnung, die steuerliche Behandlung von Forschung und Entwicklung, die Komplexität des Steuersystems sowie die steuerliche Behandlung von Eigen- und Fremdkapital. Ein wettbewerbsfähiges Unternehmenssteuersystem senkt Investitionshemmnisse, verbessert die Kapitalallokation und stärkt die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. 

Besonders relevant ist der Befund vor dem Hintergrund der aktuellen budgetpolitischen Debatte. Höhere Abgaben auf Unternehmen oder eine Verschlechterung steuerlicher Rahmenbedingungen könnten kurzfristig Einnahmen bringen, mittel- bis langfristig aber Wachstum, Investitionen und damit auch die künftige Steuerbasis schwächen. „Ein wachstumsfreundlicher Konsolidierungspfad muss Ausgabendisziplin mit standortpolitischer Vernunft verbinden“, betont Köppl-Turyna. „Wer die Budgetlücke vor allem über höhere Belastungen für Unternehmen schließen will, riskiert geringere Investitionen und schwächeres Wachstum. Nachhaltige Budgetpolitik braucht daher Strukturreformen auf der Ausgabenseite und ein Steuersystem, das Investitionen ermöglicht statt erschwert.“

Aus Sicht von EcoAustria ergeben sich daraus klare wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen: Österreich darf im Zuge der Budgetverhandlungen keine Maßnahmen setzen, die die steuerliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts verschlechtern. Stattdessen müssen wachstumsrelevante Elemente des Steuersystems gezielt verbessert werden – etwa durch einfachere Regeln, bessere Investitionsanreize, verlässliche Verlustverrechnung und eine innovationsfreundliche Ausgestaltung der Unternehmensbesteuerung.

„Die zentrale Frage ist nicht, wie der Staat kurzfristig möglichst viele Einnahmen generiert, sondern wie Österreich wieder auf einen schnelleren Wachstumspfad kommt“, so Köppl-Turyna abschließend. „Ein wettbewerbsfähiges Unternehmenssteuersystem ist dafür ein wesentlicher Hebel.“


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