Klimaplan für Österreich: Innovation entscheidet über Kosten und Erfolg der Energiewende
Wien, 30. Juni 2026 – Österreich steht vor einer doppelten Herausforderung. Das Land muss seine Treibhausgasemissionen deutlich reduzieren und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit seines Wirtschaftsstandorts sichern. Der neue „Klimaplan für Österreich“, der im Rahmen der eXplore! Initiative von den Ökonomen Jesús Crespo Cuaresma und Christian Keuschnigg erstellt wurde, kommt zu einer zentralen Erkenntnis. Innovation entscheidet darüber, wie teuer die Energiewende tatsächlich wird.
Der Bericht zeigt, dass die Kosten der Transformation keineswegs vorgegeben sind, sondern maßgeblich davon abhängen, welche politischen Prioritäten heute gesetzt werden. Eine Klimapolitik, die primär auf steigende CO₂-Preise setzt, belastet Unternehmen und Haushalte erheblich und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich. Erst die Kombination aus Innovation, Infrastrukturinvestitionen und langfristig planbaren politischen Rahmenbedingungen macht die Energiewende wirtschaftlich tragfähig.
Technologischer Fortschritt bestimmt den Preis der Klimaneutralität
Die Modellrechnungen des heute veröffentlichten Berichts verdeutlichen die Größenordnung dieser Zusammenhänge. Ohne technologischen Fortschritt müssten CO₂-Preise nahezu verzehnfacht werden, um die Klimaziele zu erreichen. Die Energiepreise würden dadurch um rund 65 Prozent steigen, während das reale Bruttoinlandsprodukt langfristig um rund 7,7 Prozent sinken würde. Mit gezielter Innovationsförderung reduziert sich dieser Anpassungsdruck erheblich. In den Modellen steigen die Energiepreise dann auf vergleichsweise niedrigere 31 Prozent, während der langfristige Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auf etwa 2,9 Prozent begrenzt werden kann.
Besonders entscheidend sind laut Analyse drei Innovationsfelder. Den größten Einfluss auf Kosten und Wettbewerbsfähigkeit haben Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz, Produktivitätssteigerungen bei erneuerbaren Energien sowie die Skalierung von Technologien für negative Emissionen.
Umsetzungslücke wird zunehmend zum Standortproblem
Gleichzeitig identifiziert der Bericht eine wesentliche Schwäche der bisherigen österreichischen Klimapolitik. Frühere Emissionsrückgänge waren überwiegend das Ergebnis konjunktureller Entwicklungen und struktureller Veränderungen und nicht Ausdruck einer konsistenten Strategie. Trotz ambitionierter Zielsetzungen besteht weiterhin eine erhebliche Umsetzungslücke. Die bestehende Fragmentierung der Klimapolitik verzögert notwendige Investitionen und erhöht langfristig die wirtschaftlichen Kosten der Transformation.
Warum Einzelmaßnahmen nicht ausreichen
Internationale Beispiele zeigen, dass erfolgreiche Klimapolitik anders funktioniert. Länder wie Großbritannien, Schweden oder Norwegen setzen nicht auf Einzelmaßnahmen, sondern auf einen langfristig angelegten Instrumentenmix aus CO₂-Bepreisung, Regulierung, Infrastrukturinvestitionen und gezielter Innovationsförderung. Diese Kombination schafft Planungssicherheit und ermöglicht Unternehmen, langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen.
„Die Energiewende ist nicht nur eine ökologische Herausforderung, sondern vor allem eine ökonomische Gestaltungsaufgabe. Unsere Analysen zeigen, dass Innovation maßgeblich darüber entscheidet, ob die Transformation zu einer Belastung oder zu einer Chance für den Wirtschaftsstandort Österreich wird. Je früher wir Innovationen fördern und in die Breite bringen, desto geringer fallen die gesamtwirtschaftlichen Kosten aus“, sagt Jesús Crespo Cuaresma, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien und Mitautor des Klimaplans.
Fünf Handlungsempfehlungen für einen wettbewerbsfähigen Transformationspfad
Der Klimaplan formuliert fünf Handlungsempfehlungen, die aufeinander aufbauen und einen langfristig verlässlichen Rahmen schaffen sollen. Dazu zählen die Einführung verbindlicher Zwischenziele auf dem Weg zur Klimaneutralität, eine gezielte Innovationsförderung in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und CO₂-Speicherung, eine Infrastruktur- und Genehmigungsoffensive für Strom, Wärme und Mobilität, verlässlich planbare CO₂-Kosten mit Transformationsunterstützung für Haushalte und Industrie sowie eine über Legislaturperioden hinausgehende Klima-Governance, die Regulierung, Förderungen und öffentliche Investitionen besser aufeinander abstimmt.
„Österreich kann Klimaneutralität erreichen, ohne Wachstum und Wohlstand dauerhaft zu gefährden. Voraussetzung dafür ist jedoch ein Strategiewechsel. Weg von fragmentierten Einzelmaßnahmen, hin zu einer konsistenten Klimapolitik, die Innovation in den Mittelpunkt stellt. Andernfalls werden nicht nur die Klimaziele verfehlt, sondern langfristig auch die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft geschwächt“, so Crespo Cuaresma abschließend.
Weitere Stimmen zum Klimaplan
Dr. Alexander Moser-Parapatits, Vorstand für Strategie & Innovation (CSIO) der AMAG Austria Metall AG:
„Der Klimaplan macht deutlich, dass Innovation der maßgebliche Faktor für eine leistbare Energiewende ist. Für die AMAG Austria Metall AG ist entscheidend, dass ambitionierte Klimaziele nur dann erfolgreich umgesetzt werden können, wenn sie mit realistischen Vorgaben, planbaren politischen Rahmenbedingungen sowie einem raschen Ausbau von Energie‑ und Infrastruktur einhergehen. Wir als AMAG arbeiten aktiv daran, die Dekarbonisierung industriell und wirtschaftlich tragfähig umzusetzen und damit die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts Österreich zu stärken.”
Mag. Martin Ohneberg, President & CEO der HENN Group:
„Ich unterstütze natürlich die Klimaziele. Aber wir müssen endlich aufhören, den Erfolg der Energiewende an neuen Gesetzen zu messen. Entscheidend ist nicht, wie viele Vorschriften wir beschließen, sondern wie viele Innovationen wir hervorbringen. Europa wird den Klimawandel nicht mit Bürokratie lösen, sondern mit Ingenieurskunst, Unternehmertum und Kapital. Genau das bestätigt auch dieser Klimaplan.“
Über eXplore!
eXplore! hat es sich zum Ziel gesetzt, die Erkenntnisse der Forschung und ihre Chancen besser zu nutzen, den Forscher- mit dem Unternehmergeist näher zusammenzubringen und so die wissenschaftliche Theorie mit der wirtschaftlichen Praxis stärker zu verbinden. Im Rahmen dieser Initiative werden Forschungsprojekte in den Bereichen Entrepreneurship, Innovation und Wirtschaftsstandort mit insgesamt EUR 11 Mio. über einen Zeitraum von zehn Jahren gefördert. eXplore! stellt damit eine der größten privaten Förderinitiativen im österreichischen Hochschulsektor dar.