Neue EcoAustria-Analyse verdeutlicht erheblichen Aufholbedarf bei Rechenkapazität
Wien, 26. März 2026 – Der Ausbau von Rechenkapazität entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Faktor für die digitale Wettbewerbsfähigkeit moderner Volkswirtschaften. Eine neue Policy Note des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria verdeutlicht, dass Österreich bei diesem zentralen Treiber der digitalen Wettbewerbsfähigkeit unter wachsendem Druck steht. Konkret zeigen die Ergebnisse, dass die verfügbare Rechenkapazität in Europa deutlich unter dem Niveau führender Volkswirtschaften liegt. Während in den USA rund 0,31 Gigawatt Rechenkapazität pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner zur Verfügung stehen, erreicht Europa lediglich 0,12 Gigawatt und damit nur rund 40 Prozent des US-Niveaus.
Damit verschärft sich der internationale Standortwettbewerb um digitale Infrastruktur. Für Österreich bedeutet das, dass zentrale Zukunftsinvestitionen zunehmend an andere Standorte gehen könnten. Der Rückstand bei Rechenkapazität wirkt sich damit direkt auf Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Wachstum im Inland aus.
Datencenter als Treiber für Wertschöpfung und Beschäftigung
Die Analyse zeigt zugleich, dass Investitionen in Datencenter erhebliche ökonomische Effekte auslösen können. Die Errichtung eines Datencenters mit einer Kapazität von 140 Megawatt, der durchschnittlichen Größe zurzeit in Italien geplanter Projekte, erfordert Investitionen von rund 1,4 Milliarden Euro. Im laufenden Betrieb entstehen jährlich rund 123 Millionen Euro an Energiekosten sowie direkte Beschäftigung für rund 100 Personen. Über Zulieferketten und verbundene Dienstleistungen entstehen zusätzliche Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte, die sich über mehrere Branchen hinweg auswirken.
„Rechenkapazität ist heute eine zentrale Grundlage für wirtschaftliche Dynamik. Wer hier zurückliegt, verliert nicht nur technologische Anschlussfähigkeit, sondern auch reale Wertschöpfung“, erklärt Philipp Koch, Leiter des Forschungsbereichs Data Science bei EcoAustria.
Wachsende Nachfrage nach Rechenleistung erhöht Handlungsdruck
Besonders deutlich wird die wirtschaftliche Dimension im Zusammenhang mit der digitalen Wettbewerbsfähigkeit. Empirische Analysen zeigen, dass eine Verbesserung der digitalen Wettbewerbsfähigkeit um ein Prozent das BIP pro Kopf um 0,16 Prozent erhöht. „Ein Aufholen Österreichs zu führenden Ländern würde das BIP pro Kopf langfristig um rund 3,5 Prozent steigern. Das entspricht bis zu 17,6 Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung“, so Koch.
Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Rechenleistung dynamisch. Der Stromverbrauch von Datencentern in Europa wird von 100 Terawattstunden im Jahr 2022 auf rund 150 Terawattstunden bis 2026 steigen. Der europäische Markt ist allein im Jahr 2024 um 20 Prozent gewachsen. Andere Standorte reagieren bereits mit gezielten Strategien und Investitionen. So haben sich etwa in Deutschland die Datencenter-Kapazitäten seit 2010 mehr als verdoppelt, während Standorte wie Frankfurt, London oder Amsterdam zu führenden europäischen Knotenpunkten geworden sind.
„Die volkswirtschaftlichen Potenziale sind erheblich, aber sie realisieren sich nicht automatisch. Ohne klare Standortstrategie und geeignete Rahmenbedingungen besteht die Gefahr, dass Österreich im Wettbewerb um Investitionen weiter zurückfällt“, betont Koch.
Vor diesem Hintergrund sieht EcoAustria akuten wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf und leitet daraus fünf konkrete Handlungsempfehlungen ab:
Österreich muss ein klares und konsistentes Standortprofil für Recheninfrastruktur entwickeln, das an bestehende Stärken anknüpft und internationale Sichtbarkeit schafft.
Der Ausbau und die langfristige Sicherung von Humankapital im digitalen Bereich sollen durch gezielte Bildungs-, Weiterbildungs- und Rekrutierungsmaßnahmen vorangetrieben werden.
Der Zugang zu Rechenleistung muss offen und fair gestaltet werden, sodass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen profitieren können.
Netzwerk- und Clusterstrukturen zwischen Wirtschaft, Forschung und öffentlichem Sektor sollen aktiv aufgebaut und institutionell verankert werden, um Innovation zu fördern.
Die notwendige Infrastruktur, insbesondere im Energie- und Netzbereich, muss frühzeitig geplant und langfristig abgesichert werden, um Investitionssicherheit zu gewährleisten.
„Der Ausbau von Rechenkapazität ist nicht nur eine technologische, sondern eine zentrale wirtschaftspolitische Weichenstellung. Richtig gestaltet, kann er zu einem entscheidenden Hebel für die digitale Transformation, die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand Österreichs werden“, so Koch abschließend.