Industriestandort
EcoAustria
Download

Wien, am 29. Jänner 2026 – Die kürzlich präsentierte Industriestrategie der Bundesregierung adressiert zentrale Herausforderungen des österreichischen Industriestandorts. Eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria zeigt, dass Österreich bei einer soliden industriellen Basis im Mittelfeld vergleichbarer Volkswirtschaften liegt. Ein umfassendes Benchmarking macht deutlich, wo die Strategie ansetzt und wo strukturelle Reformen entscheidend für die künftige Wettbewerbsfähigkeit sind.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) hat EcoAustria Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts anhand von rund 140 Indikatoren und 22 Standortfaktoren analysiert. Die Bewertung orientiert sich an sechs Metazielen der Industriestrategie: internationale Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliche Souveränität, Innovation, Resilienz, nachhaltige und zirkuläre Produktion sowie Humankapital. Über 40 Indikatoren weisen auf klare Stärken des Standorts hin, in ähnlich vielen Bereichen zeichnen sich jedoch Schwächen ab. In Summe ergibt sich eine durchschnittliche Gesamtbewertung.

„Die Analyse bestätigt eine robuste Ausgangsbasis der österreichischen Industrie, zeigt aber ebenso klar jene Bereiche, in denen Wirtschaftspolitik die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geeignet unterstützen kann“, sagt Nikolaus Graf, Leiter des Forschungsbereichs Wettbewerbsfähigkeit bei EcoAustria.

Zu den zentralen Stärken zählen ein hohes Produktivitätsniveau, eine breite und leistungsfähige industrielle Basis sowie eine komplexe und hochwertige Exportstruktur. Auch bei Forschung und Entwicklung ist Österreich international gut positioniert. Positive Bewertungen ergeben sich zudem für Umwelttechnologien, Kreislaufwirtschaft sowie für die berufliche Ausbildung und MINT-Qualifikationen. Stabile Arbeitsbeziehungen tragen zusätzlich zur Standortqualität bei.

Die Industriestrategie greift laut Studie wesentliche Handlungsfelder auf, insbesondere bei Energiekosten, Schlüsseltechnologien, Fachkräftesicherung, Entbürokratisierung und der Versorgung mit kritischen Rohstoffen. Gleichzeitig zeigt das Benchmarking strukturelle Schwächen. Dazu zählen vor allem Arbeitsanreize, die Entwicklung von Produktivität und Lohnstückkosten, die hohe Abgabenbelastung sowie Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Finanzen und der Kapitalmarktentwicklung.

„Der Konsolidierungsbedarf des Staates ist nicht Ausdruck mangelnder Einnahmen – im Gegenteil: Österreich zählt gemessen an staatlichen Einnahmen pro Kopf zu den finanzkräftigsten Ländern weltweit“, so Graf. „Die hohe Abgabenbelastung wirkt jedoch dämpfend auf Beschäftigung und Investitionen und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.“

Besonders deutlich fallen die Ergebnisse im Bereich Arbeitsmarkt aus. Zwar verfügt Österreich über eine gut ausgebildete und vergleichsweise junge Bevölkerung, dennoch begrenzen eine mittlere Erwerbsquote, ein niedriges faktisches Pensionsantrittsalter und eine hohe Teilzeitquote das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen. Zugangsvoraussetzungen zu Pensionen und sozialen Leistungen beeinflussen die Arbeitsanreize maßgeblich und führen zu hohen Ausgaben für soziale Sicherungssysteme.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Industriestrategie wichtige Impulse setzt, ihre Wirkung jedoch maßgeblich davon abhängt, ob es gelingt, bestehende strukturelle Bremsfaktoren zu adressieren. Nur so lassen sich die vorhandenen Stärken des Standorts nachhaltig in höhere Investitionen, Produktivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit überführen.


Downloads

studie_wettbewerbsfahigkeit-des-industriestandorts.pdf
PDF
policy-note_wettbewerbsfahigkeit-des-industriestandorts.pdf
PDF
prasentation_wettbewerbsfahigkeit-des-industriestandorts.pptx
PPTX
nikolaus-graf_leiter-des-forschungsbereichs-wettbewerbsfahigkeit-bei-ecoaustria.webp
WEBP